PV-Überschussladen ist 2026 zur Standardanforderung jeder neuen Wallbox-Installation geworden. Wer eine Photovoltaik-Anlage besitzt und ein Elektroauto fährt, will Sonnenstrom direkt ins Auto leiten statt für 7,78 ct/kWh ins Netz einzuspeisen und gleichzeitig je nach Tarif und Region 30 bis 40 ct/kWh Strom zurückzukaufen. Die Differenz ist der wirtschaftliche Hebel, und er ist erheblich. Dieser Beitrag erklärt vollständig, was PV-Überschussladen ist, welche Voraussetzungen Ihr Haushalt erfüllen muss, welche Wallboxen 2026 marktfähig sind, wie die Wirtschaftlichkeit konkret aussieht und welchen Einfluss §14a EnWG auf das Setup hat.
Was bedeutet PV-Überschussladen?
Vollständige BW-Übersicht: Welche Bundes-, Landes- und Stadt-Programme sich für Ihr Vorhaben kombinieren lassen — und in welcher Reihenfolge der Antrag gestellt werden muss — zeigt unser Förder-Checker BW; den ausführlichen Kontext finden Sie im Ratgeber zur Förderlandschaft 2026.
PV-Überschussladen — auch solares Überschussladen oder Überschuss-Laden — bezeichnet das automatische Laden eines Elektroautos mit dem Strom, den eine Photovoltaik-Anlage gerade mehr produziert, als der Haushalt selbst verbraucht. Ein Energy Manager misst kontinuierlich die Bilanz zwischen Erzeugung und Verbrauch am Hausanschluss und steuert die Wallbox so, dass nur dieser Überschuss ins Auto fließt. Sobald die Sonne hinter eine Wolke verschwindet oder ein Großverbraucher startet, drosselt die Wallbox die Ladeleistung dynamisch nach. Das Ziel: kein einziges Watt Solarstrom soll mehr ins öffentliche Netz eingespeist werden, solange das Auto noch Kapazität hat.
Davon abzugrenzen ist das schlichte Laden an einer Wallbox unter PV-Anlage. Wer ohne Steuerung lädt, bezieht in Wahrheit eine Mischung aus PV-Strom und Netzstrom, weil eine 11-kW-Wallbox immer mehr will, als eine typische 8-kWp-Anlage liefert. PV-Überschussladen unterscheidet sich technisch fundamental: es ist eine geregelte Lastfolgeregelung, kein passives Mitnutzen.
So funktioniert PV-Überschussladen technisch
Im Kern handelt es sich um einen geschlossenen Regelkreis aus drei Bauteilen: einem Messpunkt am Hausanschluss, einem Energy Manager als Recheneinheit und einer steuerbaren Wallbox als Stellglied.
Der Smart Meter oder ein zweiter Stromzähler am Netzanschlusspunkt misst sekundengenau, wie viel Leistung gerade ins Netz fließt oder aus dem Netz bezogen wird. Diese Messwerte gehen — typischerweise per Modbus TCP oder über die Hersteller-API — an den Energy Manager. Der Energy Manager kann ein eigenes Gerät sein (Kostal Smart Energy Meter, SMA Sunny Home Manager 2.0, Fronius Smart Meter), eine Software-Komponente im Wechselrichter (Huawei SUN2000 EMMA, SolarEdge Home Hub Inverter) oder eine Open-Source-Lösung wie EVCC, die auf einem Raspberry Pi läuft. Er berechnet kontinuierlich den verfügbaren PV-Überschuss und sendet einen Sollwert an die Wallbox.
Die Wallbox setzt diesen Sollwert über die Ladestrom-Modulation um. Nach IEC 61851-1 kann eine Wallbox den Ladestrom in 1-Ampere-Schritten zwischen 6 und 32 Ampere regeln, das entspricht bei einer dreiphasigen Wallbox einer Spanne zwischen 4,1 kW und 22 kW. Moderne Wallboxen können zusätzlich zwischen einphasigem und dreiphasigem Betrieb umschalten — die sogenannte Phasenumschaltung. Damit lässt sich die Mindestladeleistung auf 1,4 kW absenken, was den nutzbaren PV-Überschussbereich dramatisch erweitert.
Voraussetzungen im Haushalt
Drei technische Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit PV-Überschussladen praktikabel funktioniert: ein freier Hausanschluss-Bereich, ein lesbarer Energieflussmesspunkt und kompatible Komponenten.
Smart Meter oder Energy Meter
Ohne einen Messpunkt am Netzanschluss gibt es keine Überschussregelung. Drei Varianten sind 2026 üblich: ein klassisches separates Energy Meter direkt nach dem Zähler (z. B. Kostal Smart Energy Meter, SMA Energy Meter 2.0, Shelly 3EM Pro), ein intelligentes Messsystem (iMSys aus moderner Messeinrichtung mME und Smart-Meter-Gateway, Rollout läuft bis 2032), oder die hersteller-eigene Sensorik des Wechselrichters mit angeschlossenem Wandler. Wichtig: die Messung muss bidirektional sein (Bezug und Einspeisung erfassen) und in einer für den Energy Manager auslesbaren, ausreichend schnellen Form vorliegen. Ein iMSys allein liefert die Messwerte noch nicht automatisch in der Sekundenauflösung an ein lokales EMS — für die reaktive Überschussregelung bleibt das separate Energy Meter in den meisten Setups die sauberste Lösung.
Kompatibler Wechselrichter
Praktisch alle aktuellen Hybrid- und String-Wechselrichter unterstützen PV-Überschussladen, in der Regel über ein offenes Modbus-Protokoll. Konkret bewährt im Feld: Kostal Plenticore plus, Kostal Plenticore G3, Fronius Symo GEN24 Plus, Fronius Tauro, SMA Sunny Tripower X, SMA Sunny Boy Smart Energy, Huawei SUN2000-M1/M3, SolarEdge HD-Wave und Home Hub, Sungrow SH-RT-Serie sowie GoodWe ET. Wer eine ältere Anlage hat (z. B. SMA Sunny Boy ohne Modbus), kommt mit nachträglich verbautem Energy Meter und Open-Source-Steuerung wie EVCC trotzdem ans Ziel.
Wallbox mit Modulationsfähigkeit
Die Wallbox muss ihren Ladestrom in 1-A-Schritten modulieren können und über eine Schnittstelle steuerbar sein. Mindestanforderung: Modbus TCP, OCPP 1.6+ oder eine offene Hersteller-API. Reine Plug-and-Charge-Wallboxen ohne Steuereingang sind für Überschussladen ungeeignet. Phasenumschaltung ist nicht zwingend, aber stark empfohlen — siehe nächster Abschnitt.
1-phasig oder 3-phasig: Warum die Phasenumschaltung entscheidet
Diese Entscheidung wird häufig unterschätzt. Sie bestimmt, wie viel Prozent Ihres PV-Ertrags Sie tatsächlich ins Auto laden können.
Eine Wallbox lädt im dreiphasigen Modus mit mindestens 6 Ampere pro Phase. Bei 230 Volt und drei Phasen sind das rein rechnerisch 4,14 kW. Unter dieser Schwelle stoppt der Ladevorgang. Eine PV-Anlage liefert aber gerade morgens, abends und an wolkigen Tagen häufig Erträge zwischen 1 und 3 kW — also genau in dem Bereich, in dem eine dreiphasige Wallbox gar nicht erst startet.
Eine einphasige Wallbox lädt schon ab 1,4 kW (6 A × 230 V), die Schwelle ist um den Faktor drei niedriger. Allerdings ist sie nach oben begrenzt: 16 A einphasig sind 3,7 kW, 32 A einphasig sind 7,4 kW — und höhere Ströme schlagen auf die Schieflast-Regel, die in Deutschland 4,6 kVA Asymmetrie pro Phase erlaubt.
Die Lösung sind Wallboxen mit dynamischer Phasenumschaltung. Sie starten den Ladevorgang bei geringem Überschuss einphasig (ab 1,4 kW) und schalten bei ausreichender PV-Leistung automatisch auf dreiphasig um (ab ca. 4,1 kW). So nutzen Sie sowohl morgendliche Schwachlast als auch mittäglichen Volllastbetrieb. Achtung: Manche Elektroautos reagieren empfindlich auf Phasenumschaltung während des Ladevorgangs (besonders ältere Hyundai- und Kia-Modelle pre-MY2022) und benötigen ein kurzes Pausenintervall. Hochwertige Energy Manager wie EVCC oder openWB berücksichtigen das automatisch über fahrzeugspezifische Profile.
Wallboxen mit PV-Überschussladen 2026 — die marktfähigen Optionen
Der Markt hat sich konsolidiert. Acht Wallbox-Familien decken praktisch alle Bedarfsprofile ab. Wir konzentrieren uns auf Modelle, die in Privathaushalten und Kleingewerbe bewährt sind.
go-e Charger Gemini und Gemini flex
Mobil oder fest installiert, mit aktiver dynamischer Phasenumschaltung. Steuerbar über offene HTTP-API und Modbus, exzellente Integration mit EVCC, openWB-Software, Home Assistant und allen großen Wechselrichter-Stacks. Preislich attraktiv, ideal für PV-Anlagen jeder Größe.
openWB series2
Deutsche Eigenentwicklung mit nativ integriertem PV-Modul. Die openWB-Software unterstützt zwei Lade-Modi (Sofort, Min+PV) und PV-Only mit Schwellwert-Steuerung, dynamische Phasenumschaltung und Lastmanagement für mehrere Wallboxen. Eigene Web-UI ohne Cloud-Zwang, sehr aktiv weiterentwickelte Software, gute Hersteller-Anbindung zu Kostal, SMA, Fronius, Huawei, SolarEdge.
KEBA KeContact P40 und P30
Industriequalität aus Österreich, langlebig und robust. Der P40 ist die neue Generation mit OCPP 1.6/2.0, integriertem MID-Zähler und besserer Steuerschnittstelle. PV-Überschussladen über externe Steuerung (KEBA Energy Manager, EVCC, openWB-Software oder Hersteller-EMS wie Kostal). Beliebt bei Installateuren wegen Wartungsfreundlichkeit.
Huawei FusionCharge AC
Native Integration in das Huawei-Ökosystem (SUN2000-Wechselrichter, LUNA-Speicher, EMMA-Energy-Manager). Wer eine Huawei-PV hat, bekommt mit der FusionCharge ein vollständig integriertes System mit App-Steuerung und automatischem Überschussladen ab Werk. Phasenumschaltung verfügbar.
SMA EV Charger 22
Pendant zur Huawei-Lösung im SMA-Universum. In Kombination mit SMA Sunny Tripower und Sunny Home Manager 2.0 funktioniert PV-Überschussladen direkt über die SMA-App. Sehr ausgereift, aber tendenziell teurer und stärker an das SMA-Ökosystem gebunden.
Kostal ENECTOR AC
Die Wallbox aus Freiburg passt nahtlos zu Kostal Plenticore Hybrid-Wechselrichtern und dem Kostal Smart Energy Meter. Drei Lademodi (Power, Solar Pure, Solar Plus), automatische Phasenumschaltung. Geschlossenes, aber sehr aufgeräumtes System für Kostal-Anlagen.
Fronius Wattpilot
Im Kern technisch identisch zur go-e Gemini (Fronius vertreibt die go-e-Hardware unter eigenem Namen), zusätzlich tief in das Fronius-Solar.web-Ökosystem integriert. Für Fronius-PV-Besitzer der direkte Weg zu PV-Überschussladen ohne Drittlösung.
EVCC als universelle Steuerungssoftware
EVCC ist keine Wallbox, sondern eine Open-Source-Software, die fast jede steuerbare Wallbox mit fast jedem Wechselrichter koppelt. Läuft auf Raspberry Pi, NAS oder Mini-PC. EVCC ist grundsätzlich frei nutzbar; für einzelne Geräte oder Komfortfunktionen (z. B. die Fahrzeug-API-Anbindung bestimmter Hersteller) kann ein Sponsor-Token erforderlich sein. EVCC unterstützt mehr Geräte als jede kommerzielle Lösung. Wer ein Mischsetup hat (z. B. SolarEdge-Anlage mit go-e-Wallbox) oder die volle Steuerlogik selbst kontrollieren will, kommt an EVCC nicht vorbei.
Vertiefend: Die rechtlichen und technischen Unterschiede zwischen 11- und 22-kW-Wallbox erklären wir im Beitrag 11 kW oder 22 kW Wallbox? Ratgeber für Privathaushalte und Gewerbe.
Die drei Lademodi richtig nutzen
Praktisch alle Energy Manager bieten dieselben drei Grundmodi. Der Unterschied liegt im Detail, aber das Schema ist universell.
PV-Only (auch Solar Pure, Eco, Surplus Only)
Die Wallbox lädt ausschließlich, wenn ein nennenswerter Überschuss vorhanden ist, und stoppt automatisch, sobald die Bilanz kippt. Maximaler Eigenverbrauch, aber das Auto wird unter Umständen nicht voll, wenn die Sonne fehlt. Ideal für Zweitfahrzeuge oder bei flexibler Nutzung.
Min+PV (auch Solar Plus, Hybrid, Min/Surplus)
Die Wallbox lädt mindestens mit einer definierten Sockelleistung (z. B. 1,4 kW einphasig) plus zusätzlichem PV-Überschuss. So ist sichergestellt, dass das Auto bis zum nächsten Morgen einen Mindest-State-of-Charge erreicht, auch wenn die Sonne mau ist. In der Praxis der meistgenutzte Modus für Pendlerfahrzeuge.
Sofort (auch Schnell, Power, Stop-Surplus)
Klassisches Vollladen ohne PV-Bezug — wird gebraucht, wenn das Auto dringend geladen werden muss oder vor einer Langstrecke. Kein Überschussladen, aber sinnvoll als manuell anwählbarer Override.
Wirtschaftlichkeit: Was bringt PV-Überschussladen konkret?
Die Mathematik ist überschaubar und die Gewinne real. Wir rechnen mit drei aktuellen Werten (Stand Frühjahr 2026):
- Netzbezug Haushaltsstrom: aktuell 30 bis 40 ct/kWh, je nach Tarif und Region
- Einspeisevergütung Neuanlagen bis 10 kWp bei Teileinspeisung: 7,78 ct/kWh (Bundesnetzagentur, gültig Februar bis Juli 2026, danach degressiv)
- Gestehungskosten PV-Strom auf bestehender Anlage: rund 8 bis 12 ct/kWh
Jede kWh PV-Strom, die statt ins Netz ins Auto wandert, spart die Differenz zwischen Netzbezug und Einspeisevergütung. Bei einem mittleren Netzbezugspreis von 35 ct/kWh ergibt das einen Hebel von 35 minus 7,78 = 27,22 ct pro kWh. Eine 8-kWp-Anlage in Mitteldeutschland produziert rund 7.500 kWh pro Jahr. Wird ein Elektroauto mit jährlich 15.000 km Laufleistung (ca. 3.000 kWh Ladestrom) zu 70 Prozent über PV-Überschuss geladen, ergibt das 2.100 kWh × 27,22 ct = rund 570 Euro Ersparnis pro Jahr. Bei günstigeren Tarifen um 30 ct/kWh sinkt die Ersparnis auf etwa 470 Euro, bei teureren Tarifen um 40 ct/kWh steigt sie auf etwa 680 Euro.
Bei einer Wallbox-Investition inklusive Installation von 1.500 bis 2.500 Euro liegt die Amortisation gegenüber einer ungeregelten Wallbox damit bei drei bis fünf Jahren. Steigt der Strompreis, sinkt die Amortisationszeit weiter; sinkt die Einspeisevergütung wie aktuell, ebenfalls.
Wer dynamische Stromtarife nutzt, kann den Hebel zusätzlich vergrößern. Wir haben das in einem eigenen Beitrag aufbereitet: Negative Strompreise und dynamische Tarife: So profitieren Sie 2026 als Hausbesitzer.
PV-Überschussladen mit Batteriespeicher kombinieren
Sobald ein Hausspeicher (Sonnen, BYD HVS/HVM, Huawei LUNA2000, Kostal Plenticore mit BYD, Senec, SolarEdge Home Battery) im Spiel ist, wird die Priorisierung interessant. Wer entscheidet, wohin der Sonnenstrom zuerst fließt?
Die richtige Reihenfolge hängt vom Nutzungsprofil ab. Für reine Tagespendler gilt meistens: Eigenverbrauch Haushalt → Auto → Speicher. Das Auto ist tagsüber da, lädt direkt aus der Sonne, der Speicher übernimmt erst, wenn das Auto voll ist und versorgt anschließend Haushalt und Wärmepumpe in den Abendstunden. Diese Konfiguration ist Standard bei EVCC, openWB-Software und den Hersteller-EMS von Kostal und Fronius.
Andere Profile (Berufsfahrer mit nächtlicher Ladephase, Pendler mit langem Arbeitsweg) sind besser bedient mit Speicher → Auto → Haushalt: der Speicher füllt sich tagsüber, der Wagen wird in den Nachtstunden aus dem Speicher geladen. Das setzt einen wirtschaftlichen Speicher voraus und ist eher die Ausnahme.
Wichtig ist, dass der Energy Manager beide Priorisierungen abbilden kann und Sie sie umschalten dürfen. Bei den Hersteller-Lösungen ist das nicht immer der Fall — bei EVCC und openWB durchgehend.
§14a EnWG: Was Netzbetreiber-Steuerung 2026 für Überschussladen bedeutet
Seit Januar 2024 gelten neue Spielregeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Jede neu installierte Wallbox mit mehr als 4,2 kW Bezugsleistung fällt unter §14a EnWG: Der Netzbetreiber darf die Wallbox in Engpasssituationen auf 4,2 kW abregeln. Das passiert in der Praxis selten und nur lokal, aber die Möglichkeit muss technisch vorgesehen sein.
Für PV-Überschussladen ist die Abgrenzung wichtig: Begrenzt wird der Bezug aus dem öffentlichen Netz, nicht die PV-Erzeugung. Solange die Wallbox ausschließlich PV-Überschuss aufnimmt, läuft sie an der §14a-Steuerung praktisch vorbei. Im hybriden Modus (Min+PV) zählt nur der Netzbezug-Anteil — Beispiel: Die Wallbox lädt mit 11 kW, der PV-Überschuss beträgt 6 kW, die fehlenden 5 kW kommen aus dem Netz und fallen in die §14a-Bilanz. In der typischen Privatkonstellation bleibt der Netzbezug-Anteil aber praktisch immer unter 4,2 kW, und der EMS muss das am Netzanschlusspunkt sauber regeln.
Im Gegenzug für die Steuerbarkeit gibt es reduzierte Netzentgelte. Modul 1 bringt eine pauschale Reduzierung von typischerweise 110 bis 190 Euro pro Jahr und SteuVE; Modul 2 ist ein prozentualer Rabatt auf den Arbeitspreis und setzt einen separaten Zähler voraus; Modul 3 koppelt das Netzentgelt an zeitvariable Tarife. Wer eine PV-Anlage und Wallbox neu installiert, sollte Modul 1 prüfen — der amortisiert sich oft schon im ersten Jahr.
Vertiefend zu allen Modulen, Bestandsschutz und technischer Umsetzung: §14a EnWG 2026 einfach erklärt.
Vertiefung zum Thema Lastmanagement und Netzanschluss-Steuerung im Beitrag Wallbox-Lastmanagement: Effiziente Energienutzung für die E-Mobilität.
Typische Fehler bei Inbetriebnahme
Aus unserer Praxis als Elektrofachbetrieb haben sich fünf wiederkehrende Stolperfallen herauskristallisiert.
Falsche oder fehlende Messung am Netzanschluss. Der Energy Manager braucht den Wert am Netzanschlusspunkt (NAP), nicht hinter der Verteilung. Wer den Smart Meter falsch platziert, misst nur einen Teil des Haushalts und lädt entweder zu vorsichtig oder schiebt unbemerkt Strom ins Netz.
Phasenumschaltung zu aggressiv eingestellt. Wenn die Wallbox in kurzen Abständen zwischen einphasig und dreiphasig wechselt, melden manche E-Autos einen Ladefehler oder pausieren. Sinnvolle Hysterese: mindestens drei bis fünf Minuten Mindestverweildauer in jedem Modus.
Min-Ladestrom zu hoch. Wer den Mindestladestrom auf 8 oder 10 A setzt, schließt damit PV-Tage mit weniger als 5,5 kW Überschuss aus. Standard sind 6 A — das ist auch das physikalische Minimum nach IEC 61851.
Auto-Wakeup nicht konfiguriert. Tesla-Fahrzeuge gehen nach kurzer Pause in den Deep-Sleep und reagieren nicht mehr auf eine wieder verfügbar werdende Ladequelle. Lösung: Tesla-API-Anbindung in EVCC oder openWB, die das Fahrzeug aktiv aufweckt.
Reaktion auf Wolkenphasen zu schnell. Wenn die Wallbox bei jeder Wolke sofort drosselt, verbringen Sie den Tag mit ständigen Modus-Wechseln. Eine Glättung über ein bis zwei Minuten Mittelwert verhindert das, ohne wesentliche Ertragsverluste.
Häufige Fragen zum PV-Überschussladen
Brauche ich zwingend ein Smart Meter Gateway?
Nein. Für PV-Überschussladen reicht ein einfaches Energy Meter direkt am Netzanschlusspunkt, das per Modbus oder S0-Schnittstelle ausgelesen wird. Das gesetzlich vorgeschriebene Smart Meter Gateway nach Messstellenbetriebsgesetz ist eine andere Schiene und für die Funktion nicht erforderlich. Es wird perspektivisch (Rollout bis 2032) aber für §14a-Steuerung und dynamische Tarife relevant.
Wie viel PV-Leistung brauche ich mindestens für Überschussladen?
Sinnvoll wird es ab etwa 5 kWp installierter Leistung. Darunter ist der Überschuss in den meisten Stunden zu gering, um die Mindestladeleistung der Wallbox zu erreichen. Mit Phasenumschaltung und einphasigem Start ab 1,4 kW funktioniert PV-Überschussladen auch schon ab 3 kWp, allerdings mit deutlich weniger Volumen.
Geht PV-Überschussladen auch mit einem Balkonkraftwerk?
Nein, in dem Sinne nicht. Ein Balkonkraftwerk speist mit maximal 800 W AC bei bis zu 2.000 Wp Modulleistung rückwärts ins Hausnetz und wird vom Verbrauch im Haushalt kompensiert. Eine Wallbox-Steuerung darauf aufzubauen, lohnt sich nicht — die Leistung ist auch im Maximalfall zu gering, um eine Wallbox sinnvoll zu modulieren, und die Messung wäre zu ungenau. Wer das Balkonkraftwerk-Thema vertiefen möchte: unser Balkonkraftwerk-Rechner.
Funktioniert PV-Überschussladen mit jedem Elektroauto?
Grundsätzlich ja. Das Auto sieht nur die modulierte Ladeleistung der Wallbox und reagiert darauf wie auf jeden anderen Lader. Einige Modelle haben aber Eigenheiten bei Phasenumschaltung oder Mindestladestrom — eine kompakte Übersicht gibt unser Wallbox-Kompatibilitäts-Check.
Kann ich PV-Überschussladen nachrüsten, ohne die Wallbox zu tauschen?
Wenn die vorhandene Wallbox eine Steuerschnittstelle (Modbus, OCPP, Hersteller-API) hat: ja, oft mit einer Open-Source-Lösung wie EVCC. Wenn die Wallbox keine Steuerung erlaubt (z. B. einfache Plug-and-Charge-Modelle der ersten Generation), bleibt nur Austausch. Vor Tausch lohnt ein Blick ins Datenblatt — viele 2020+ Wallboxen sind nachrüstbar.
Reicht eine 11-kW-Wallbox für Überschussladen oder soll ich gleich 22 kW nehmen?
Für reines PV-Überschussladen reichen 11 kW dreiphasig fast immer. Eine 8-kWp-PV-Anlage produziert maximal etwa 8 kW Spitzenleistung — diese mit einer 11-kW-Wallbox abzunehmen ist optimal. 22 kW ist nur sinnvoll, wenn das Fahrzeug das Tempo nutzen kann (z. B. Renault Zoe) oder zwei Fahrzeuge im Wechsel laden.
Was passiert bei Stromausfall?
Standardmäßig stoppt die Wallbox sofort, weil das Netz fehlt. Wer mit einem PV-Speicher und Ersatzstrom-Funktion (z. B. Huawei LUNA2000 Backup, Kostal Plenticore mit Backup-Box, Sonnen mit Notstrom) ausgestattet ist, kann auch im Inselbetrieb laden, allerdings mit reduzierter Leistung. Details dazu in unserem Artikel Notstrom und Ersatzstrom mit Photovoltaik.
Lohnt PV-Überschussladen, wenn ich kaum tagsüber zu Hause bin?
Eingeschränkt, aber der Gewinn ist immer noch da. Wer das Auto am Wochenende mit der Sonne lädt und unter der Woche einmalig nachladet, holt einen Großteil des wirtschaftlichen Hebels heraus. Mit einem Hausspeicher und Speicher-zu-Auto-Lademodus lässt sich der Solarstrom zeitversetzt nutzen, allerdings mit Speicher-Wirkungsgrad-Verlust von etwa 10 Prozent.
Ist bidirektionales Laden eine Alternative zu PV-Überschussladen?
Eine Ergänzung, keine Alternative. Bidirektionales Laden (V2H, V2G) erlaubt es, Strom aus dem Auto wieder zu entnehmen — der Wagen wird zum Großspeicher. PV-Überschussladen lädt nur in eine Richtung. Beide Konzepte ergänzen sich; in der Praxis ist bidirektionales Laden 2026 noch in den Anfängen, PV-Überschussladen ausgereift. Details im Beitrag Bidirektionales Laden in Deutschland: Voraussetzungen und Umsetzung.
Beratung in Reutlingen und Umgebung
Wir bei SKA Elektrotechnik installieren Wallboxen mit PV-Überschussladen in Reutlingen, Pfullingen, Tübingen, Metzingen, Bad Urach, Stuttgart und Esslingen. Wir prüfen vorab den Hausanschluss, dimensionieren die Verbindung zwischen Wechselrichter und Wallbox, melden die Anlage bei FairNetz oder den Stadtwerken Pfullingen an und konfigurieren den Energy Manager auf Ihr Nutzungsprofil. Wenn Sie Ihre PV-Anlage und Wallbox gemeinsam neu denken wollen, schreiben Sie uns über unser Kontaktformular.




